Die Bandbreite - Die Wahrheit sitzt im Backstage
Ein Werk dieses Titels steht selbstverständlich schnell unter dem Verdacht, dogmatisch zu sein, mit Entitäten zu spielen, als seien sie leicht zu definieren. Die Musikformation „die bandbreite“ aus Duisburg jedoch handelt da anders, als es der durchaus mit einem kleinen Maß an Witz gewählte Titel es vermuten lässt. Das Buch enthält ausgewählte Songtexte und eine Dokumentation über die teils als skandalös-unverschämt gehandelte Band, bestehend aus Sänger und Rapper Wojna und seinen DJ Torben. Beide Kapitel des Buches sind zum einen informativ, zum anderen unterhaltsam gehalten. Angereichert wird die Publikation von Bildern und Bandportraits in –nebenbei bemerkt- ausgezeichneter Qualität.
Zum Inhalt der Texte lassen sich einige vereinende Aspekte nennen: die bandbreite ist eine politische Band mit Botschaft, dementsprechend sind ihre Texte durchgehend von gesellschaftskritischem Unterton geprägt. Damit vermengt sind teils recht humorvoll und unterhaltsam aufgearbeitete Anekdoten aus dem Alltagsleben in Deutschland und anderen Teilen dieser Erde. Kontrovers diskutiert wurde die Band jedoch nicht wegen ihrer Momente des Augenzwinkerns in Stücken wie „Tötet Knut“ oder „Dat is Duisburg“, sonder wegen einiger nicht unbedingt mainstream-geeigneter sogenannter Theorien, besonders zur Kriegs-, Verzeihung, Außenpolitik der USA, zum Hintergrund des 11. Septembers 2001 sowie zur allgemeinen politischen Vorgehensweise innerhalb von Machtstrukturen. Die bandbreite weiß zu provozieren, durch ihre eigenen Überzeugungen, ihre Auffassung von Wahrheit, Politik und Gesellschaft und auch durch teils gewollt verwirrende Momente. Das Stück „Die neue RAF“ beispielsweise dürfte einem Menschen, der von den ersten zwei Strophen zu abgeschreckt ist und somit nicht die Grundpointe am Ende des Textes nicht mehr erfassen kann, als absolut linksterroristisches Zeugnis oder Aufruf zur Gewalt anmuten. Doch wie angedeutet: die bandbreite ist mit Aufmerksamkeit zu konsumieren, damit nicht vorschnell ein falscher Eindruck entsteht. Diese Erfahrungen machte der Rezensent bei der Lektüre des Buches wie auch beim Hören einiger Songs der Gruppe. Aus den Reihen derer, die sich nicht ausführlich mit den Inhalten der Songs befassen, kommen allerdings dementsprechend unwahre Vorwürfe; bei näherem Hinsehen ist es jedoch eigentlich recht einfach, die Botschaft des Duos zu erkennen. Vieles läuft falsch, das Volk zählt wenig, wird betrogen oder um die Wahrheit gebracht und lediglich als Konsumentenkollektiv behandelt, natürlich bei und durch stetige Verdummung durch platte Medien und Massenhysterien. Schnell könnte an dieser Stelle der Eindruck entstehen, die bandbreite hätte eine Aussage, die sich gegen alles und jeden richtet; auch dieser Eindruck kann nicht gehalten werden. Allein die Widmung des Buches an „alle Wahrheitssuchenden“ deutet die offensichtliche Zugehörigkeit der Gruppe zur so genannten „Truthseeker-Szene“, einer sich entwickelnden Bewegung, die im allgemeinen als verschwörungstheoretisch angesehen wird, allerdings schlicht und einfach zu hinterfragen scheint, was Klaus Kleber oder schlimmer, Peter Klöppel, abends um 20.00 zu berichten hat.
Im großen und ganzen ist das Buch also politisch relativ unkorrekt, aber evtl. gerade deshalb so reizvoll, radikal, hinterfragend, kritisch und fordernd – all dies verpackt in Reime und Texte, die unterhaltsam die Botschaft der Band transportieren sollen. Man staune: teilweise in waschechtem Ruhrpottslang. Nicht für jeden geeignet, aber für mehr, als man erwarten könnte. Man muss ja nicht immer glauben, was man liest.
Lara Wäldler