Gerry X - »Nachtschweißgesänge«

Sehet her und hört, welch ein Mensch und Dichter!

Mit seinen leidenschaftlichen Liedern der einsamen und tiefen Nacht – einem Strauss von fünfzig Gedichten – wagt sich der Dichter GerryX an das grelle Tageslicht der Öffentlichkeit.

In diesen Gesängen ist eine neue Stimme eines Jüngers des lebensbejahenden Gottes Dionysos vernehmbar. Es sind Lobpreisungen des Lebens in all seinen Höhen und Tiefen, die es für uns Menschen bietet. Das ganze Leben - Leid, Liebe und Tod - wird in ihnen bejaht und willkommen geheißen: Als ein heiliges Ja - sagen zum Leben. Das Leid und der Tod werden nicht als ein Einwand betrachtet, sondern im Gegenteil, als Stimulans und als unbedingt zum Leben dazugehörend und dem Leben seinen eigentlichen Sinn und Wert verleihend. Ohne die unerbittliche Begrenzung des Lebens durch den Tod hätten wir möglicherweise nicht einmal ein Wort für das Sein, und ohne das Leid und den Schmerz wüssten wir nicht, was es heißt - glücklich zu sein. Das Himmel - hoch- jauchzend und das Zu – Tode - betrübt sind die beiden sich bedingenden Gegensätze eines intensiven und ekstatischen Lebens.

Mit diesen Gedichten ergreift ein Spätgeborener das Wort. Ein lebenserfahrener und leidenschaftlicher Mann, der mit all seinen offenen Sinnen durch die Hölle von Leid und Schmerz gegangen ist - aber auch die Schönheiten des Seins in seiner ganzen Pracht erfahren hat. So spiegeln sich in seinen Gesängen die Höhen und Tiefen seines bewegten Lebens wider und haben gleichsam einen autobiographischen Charakter.

Bereits mit zwanzig Jahren lebte er so exzessiv und resolut, als erwarte er sein Lebensende schon mit dreißig Jahren. Jedes zusätzliche Jahr seither betrachtet er als kostbares Geschenk, dem er sich durch sein dichterisches Schaffen würdig zu erweisen versucht. Er betreibt einen für normale Menschen schwer fassbaren Raubbau an seinem Körper und verachtet alle vorsichtigen, einzig um ihr Wohlergehen besorgten Gesundheits-Apostel. Nein, die Ärztekunst und die Ärzte verachtet er nicht, aber er beachtet und konsultiert sie auch nicht. Er ist nicht begierig zu wissen, wie der Zustand seiner geschundenen Leber und Lunge beschaffen ist. Er will einzig weiter so intensiv leben und schaffen wie bisher - und dies bis zu seinem letzten Atemzug. Nein, geschont hat er sich nicht - und seine Lebensflamme loderte und verzehrte sich. Dass er mit dieser exzessiven und wilden Lebensführung am Ende seines vierten Lebensjahrzehnts noch lebt, singt und dichtet, grenzt an ein kleines Wunder. Wie lange noch? Das ist für Ihn unwesentlich. „Lieber wenige Jahre den Tanz auf dem Vulkan wagen als Gedanken an einen gemütlichen und angenehmen Lebensabend verschwenden.“, so eine Maxime des Meisters.

Wenn ein solcher Mann wie Gerry X zur Feder greift – nun, dessen Worte haben Wert.

Georg Hutter